ARBE Aktuell

Helden der Berge

Jungfrau Zeitung, 11. Juni 2018 von Nora Devenish
Seit vielen Jahrzehnten dienen ausgebildete Hunde den Schweizer Bergrettern bei ihrer Arbeit und sind mittlerweile ein unverzichtbares Dispositiv. Diese Zeitung war bei der Ausbildung der vierbeinigen Bergretter auf der Axalp dabei.

Das Hundewesen der Alpinen Rettung Schweiz feiert dieses Jahr gleich zwei Jubiläen. Seit 75 Jahren werden hierzulande Lawinenrettungshunde ausgebildet. Die ersten Geländesuchhunde erhielten vor 25 Jahren ihr Brevet. Hunde sind auch im Zeitalter der Drohnen vom Rettungswesen nicht mehr wegzudenken. International nimmt die Schweiz im Rettungshundewesen eine führende Rolle ein. Das Wallis ausgenommen stehen 120 Hunde und Hundeführer im Dienst der Alpinen Rettung Schweiz, davon zwanzig im Berner Oberland. Ein Grossteil der Rettungshunde ist sowohl für die Lawinenrettung als auch die Geländesuche ausgebildet. Ihre Herrchen und Frauchen verbindet die Leidenschaft zum Gebirge und der Wille zu helfen, freiwillig.
Die Anforderungen an das Team sind hoch. Das Brevet erhält nur, wer Kondition, Durchhaltewille und Nerven an den Tag legt. Sowohl die Hundeführer als auch die Rettungshunde werden über mehrere Jahre in verschiedenen Gelände aus- und fortwährend weitergebildet. Unter anderem auch auf der Axalp.

Engagiert
«Bergretter ist man mit Leib und Seele», so Marcel Meier, Fachleiter Hunde Alpine Rettung Schweiz. Er muss es wissen. Seit vielen Jahrzehnten investiert der Schwyzer den Grossteil seiner Freizeit in die Ausbildung von Lawinen- und Geländesuchhunden, gibt international Kurse und ist selbst auch als Bergretter im Dienst. Sein Beweggrund: «Ich will etwas zurückgeben.» Ohne die Unterstützung und das Verständnis des persönlichen Umfelds und des Arbeitgebers geht es nicht. Der Einsatz wartet jederzeit und kommt oft unvorhergesehen. Bereut hat Meier sein zeitintensives Engagement nie: «Auch nach vielen Jahren im Einsatz verspüre ich noch eine gewisse Anspannung. Man weiss nie, was einen erwartet. Das spürt auch der Hund. Umso wichtiger ist eine fundierte Ausbildung, auch wenn ein Bergretter nie ausgelernt hat.»
Die Hoffnung, einen Vermissten lebend zu finden, ist während der Suche allgegenwärtig. Doch müssen Bergretter auch mit Niederlagen umgehen können. Die richtige Einstellung dafür kann man sich, laut Marcel Meier, bis zum Eintreffen der Situation kaum aneignen. «Diese Situationen werden ganz individuell gemeistert», so Meier. Ein Careteam steht dem Team der Alpinen Rettung Schweiz jederzeit zur Verfügung.

Teamarbeit
Nicht jeder Hund eignet sich für die Personensuche im alpinen Gelände. Barry beispielsweise hat längst ausgedient. Bei der Alpinen Rettung Schweiz gehören heute Labradors, Border Collies, Golden Retriever oder Malinois zu den verbreitetsten Hunderassen. Alles lernfähige Arbeitstiere mit ausgesprochener Lauffreudigkeit. Aggressive Hunde werden nicht akzeptiert. Seitens der Hundeführer wird Motivation, Korrektheit, Einfühlungsvermögen und Konsequenz dem Tier gegenüber vorausgesetzt. Hund und Halter sollten ohne Worte miteinander funktionieren und wissen, was zu tun ist. Ein eingeschworenes Team. Emotionen gehören nicht an den Arbeitsplatz. «Unterschiede in der Vorgehensweise der verschiedenen Teams gibt es immer. Letztendlich muss das Endergebnis stimmen», so Marcel Meier.

Unverzichtbar
Trotz modernster Technik ist der Einsatz von Rettungshunden bei der Suche von vermissten Berggängern oft die einzige Chance. Ihr ausgeprägtes Riechorgan besteht aus 220 Millionen Riechzellen und stellt viele technische Geräte in den Schatten. Unerschöpflich ist die Spürnase der Hunde dennoch nicht. Obwohl Such- und Rettungsaktionen mehrere Tage dauern können, ist ein Lawinenhund jeweils während einer Stunde, ein Suchhund im aperen Gelände maximal viereinhalb Stunden in Aktion, bevor ihm eine ausgedehnte Ruhephase gegönnt wird.
Es versteht sich von selbst, dass die Alpine Rettung Schweiz im Notfall alle ihr zur Verfügung stehenden Hilfsmittel einsetzt. Neuerdings auch Drohnen. Diese Erweiterung ist gemäss Marcel Meier klar als Ergänzung und nicht Ersatz zum bereits bestehenden Dispositiv zu verstehen. Der erfahrene Bergretter und Hundeführer glaubt nicht, dass die bewährten Rettungshunde von der modernen Technik verdrängt werden: «Für Sucharbeiten sind ausgebildete Hunde nach wie vor die verlässlichsten Partner. Daran wird sich alsbald nichts ändern.»

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«Ich war noch an keiner Übung, an der ich nichts gelernt habe»

Frutigländer, 5.6.2018 von Reto Koller

Die drei Bergrettungsstationen Adelboden, Kandersteg und Kiental trafen sich zu ihrer regelmässigen gemeinsamen Übung. Diesmal bot das Gebiet Engstligenalp die Kulisse. Sie stellte die Retter vor knifflige Herausforderungen.

Der mächtige Rotor des «Superpumas» der Schweizer Armee dreht sich immer schneller. Die künftigen Verunfallten, im Fachjargon Figuranten genannt, haben sich zusammen mit den Hundeführerinnen angeschnallt. In einem weiten Bogen fliegt der Helikopter die Engstligenalp an und setzt die Passagiere an ihren Bestimmungsorten ab. Bald folgen ihnen der Rest der 48 Teilnehmer. Drei Gruppen werden sich auf die Suche nach je einer hilfsbedürftigen Person machen. Eine Gruppe nimmt den Weg zum Klettersteig unter die Bergschuhe, die zweite forscht am Hinterengstligen-Weg, die dritte hält am Sommerweg ins Unter dem Birg Ausschau. Die Sucharbeit übernehmen zwei ausgebildete Geländesuchhunde mit ihren Führerinnen. Auf dem Sommerweg ist es der quirlige Border-Collie Dacota mit «Frauchen» Jeannette Bircher. Sie ist ausgebildete Rettungshunde-Führerin.

Schnell gefunden, fachmännisch gerettet
Schon nach kurzer Zeit hat Dacota Erfolg: Die Figurantin ist entdeckt. Sie stürzte in einem Waldstück einen steilen Hang hinab und verletzte sich am Unterschenkel und an den Armen. Was ist zu tun? Einsatzleiter Reto Reichen schätzt die Lage ein. Gemeinsam mit seinen Leuten sucht er nach der richtigen Lösung: Hauptsicherung an einer kräftigen Tanne, dreifacher Seilzug zum Heben der Trage. Der Bergführer und die medizinische Fachfrau steigen zur Verunfallten ab. Sie beurteilen die Lage und leisten Erste Hilfe. Nachdem alle technischen Hilfsmittel installiert sind, hieven die 14 Teilnehmerinnen die auf der Bahre kunstvoll festgezurrte Figurantin Heidi mit vereinten Kräften den steilen Hang hinauf. Geglückt!
Das Opfer ist jetzt auf dem Wanderweg. Nun gilt es, Heidi auf der zusammenlegbaren Trage sicher ins Tal zu bringen. Da sind unterwegs noch einige unerwartete Hindernisse zu bewältigen. Mal hat ein Schneefeld den Weg überrollt - es muss mit Umsicht umgangen werden -, mal versperren umgestürzte Bäume und Äste den Weg. Mit Letzteren wird Helfer Sami Kropf leicht fertig. Er zückt ungerührt sein Sackmesser und klappt die kleine Säge aus.
Gut eineinhalb Stunden, nachdem die Retter die Unfallstelle erreicht haben, darf sich Heidi der Umklammerung des Rettungssackes entledigen und sich von der Beinschiene befreien. Alles ist gut gegangen. Ähnliches berichten auch die anderen beiden Teams. Die Rettung aus dem Chäligang erwies sich als recht heikel. Insbesondere die Steinschlaggefahr galt es im exponierten Gelände zu berücksichtigen.

Eigene Sicherheit nie vergessen
In seiner Manöverkritik kommt Übungsleiter und Rettungschef Christian Sommer immer wieder auf die eigene Sicherheit der Retter zu sprechen. «Wenn wir einem Unfallopfer zu Hilfe kommen, dürfen wir uns nicht selber in Gefahr bringen», mahnt er - nicht zu Unrecht, wie die eine oder andere Situation im Gelände gezeigt hat. Der äusserst erfahrene Alpinist Gilgian Maurer -Vater des Gleitschirmprofis Chrigel Maurer - ist seit vielen Jahren im Adelbodner Rettungsteam. «Ich lerne bei jeder Übung wieder etwas dazu», versichert der 61-Jährige. Daniel Josi, auch er ein geübter Berggänger, pflichtet ihm bei: «Ich erinnere mich an keine Übung, an der ich nichts gelernt habe.»

Übungsziele erreicht

Christian Sommer ist zufrieden. Nachdem die Teilnehmer morgens an vier Übungsposten die Elemente Hubschrauber/Hundeeinsatz, medizinische Versorgung, Knoten- und Seiltechnik sowie Erdankerset und Tragbahren-Einsatz geübt hatten, gelang die Umsetzung des Gelernten im Gelände weitgehend. «Die regelmässigen Trainings sind wichtig für die Sicherheit der Retter und für den Erfolg ihrer Einsätze», meint er.
Im 18-Monats-Rhythmus wechseln sich die drei Stationen Adelboden, Kandersteg und Kiental in der Durchführung ab. So ist sichergestellt, dass jeder Ort regelmässig zu einer Sommer- und einer Winterübung kommt. Die Teams schliessen Bekanntschaft und arbeiten zusammen. «In Krisen Köpfe kennen», erinnert Sommer an ein geflügeltes Wort unter Einsatzleitern. In Adelboden rückt das Team im Schnitt sieben- bis elfmal pro Jahr zum Ernst-Einsatz aus. Die grosse Verbreitung von Handys mit GPS-Funktion hat die Helikopterrettung stark gefördert. Rettungsmannschaften kommen heute vornehmlich dann zum Einsatz, wenn die Wetterlage und die Sichtverhältnisse das Fliegen nicht zulassen. Dann sind die Rettungschefs Christian Sommer, Marc Schertenleib und Heinz Christen mit ihren Leuten gefragt, insbesondere im Winter. Bei aller Professionalität der Bergretterinnen: Wohl dem, der nicht auf ihre Hilfe zählen muss und sein Tourenziel aus eigenen Kräften erreicht.

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Bergretter suchen Hundenachwuchs

BZ - Berner Oberländer, 26.03.2018 von Bruno Petroni

An der Generalversammlung der Alpinen Rettung Bern in Interlaken wurden fünf neue Rettungschefs bestätigt. Sorgen bereitet die Suche nach Hundenachwuchs.

149 Einsätze – so wenige wie seit sieben Jahren nicht mehr – leisteten die Spezialisten der Alpinen Rettung Bern (Arbe) im letzten Jahr. Die hohe Anzahl von 948 Einsatzstunden und 654 eingesetzten Rettern ist auf mehrere aufwendige Suchaktionen zurückzuführen; eine davon diejenige von Mitte September im Sägistal, wo nach dem bis heute vermissten Älpler gesucht worden ist. Somit war die Arbe trotz weniger Einsätze zeitlich länger und mit mehr Personal unterwegs als im Vorjahr.
Die 149 Einsätze entsprechen rund einem Fünftel aller in der Schweiz geleisteten 793 Rettungseinsätze. Im Durchschnitt kostete jeder Rettungseinsatz knapp über 3000 Franken. Mit 37 am meisten Einsätze zählte die Rettungsstation Lauterbrunnen, gefolgt von deren 27 der Station Oberhasli, 14 von Grindelwald und je 11 von Interlaken und Kandersteg.
Die Rettung von Wanderern nahm im vergangenen Jahr mit 58 Einsätzen (36 Prozent) über ein Drittel der Gesamtbilanz ein; hier bewegte sich die Anzahl Rettungen im Bereich der beiden Vorjahre. Die Anzahl der geretteten Bergsteiger (31 Einsätze, 22 Prozent) nahm um ein Drittel ab. Als einzige zugenommen haben gegenüber den Vorjahren die Rettungen von verunfallten Gleitschirmpiloten mit 18 Einsätzen (13 Prozent).

Pro Air-Glaciers und Rega

In seinem Jahresrückblick betonte Präsident Christian Brawand das Interesse, mit welchem die Arbe die Entwicklung im Lauterbrunnental beobachte, wo die Gemeinde über ein neues Betriebsreglement für den Helikopterflug befinden wird. «Eine weiterhin gute ganzjährige Zusammenarbeit zwischen Air-Glaciers, der lokalen Rettungsstation und der Rega steht ganz klar in unserem Interesse», so Brawand. Die Rettungsstation Lauterbrunnen sei ein Eckpfeiler der Bergrettung im Kanton Bern und fester Bestandteil des Arbe-Einsatzdispositivs. «Eine gezielte Rosinenpickerei einzelner weiterer Organisationen ist nicht im Sinne der Pioniere unserer Rettungsorganisation und der aktiven Bergretter.»
Fünf Rettungschefs der Arbe legten ihr Mandat ab; unter ihnen nach zehn Jahren auch Toni Schertenleib. Sein Sohn Marc wird neuer Chef der Rettungsstation Kandersteg. In der Rettungsstation Erlenbach übernimmt Lukas Pfäffli für Roland Wüthrich, der nach zwölf Jahren abtritt.

Hunde: Nachwuchssorgen
Michael Nydegger als Chef des Hundewesens berichtete von gewissen Schwierigkeiten, Nachwuchs für die Suchhunde zu rekrutieren. «Es ist das Resultat des Gesellschaftswandels. Die tagelangen Pikettdienste und Einsatzbereitschaften werden nicht mehr gern in Kauf genommen, und es braucht dazu auch die enorme Flexibilität von Arbeitgeber und Familie.» Die Arbe verfügt zurzeit über 18 einsatzfähige Lawinensuchhunde und 11 Geländesuchhunde. Wie gross die Rolle der Suchhunde in der Berg- und Geländerettung ist, zeigt die Tatsache, dass Lawinensuchhunde allein im laufenden Winter bereits sechsmal zum Einsatz gekommen sind.

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Üben unter realen Bedingungen

BZ, 1.2.2018 von Jocelyne Page/FN
Schwarzsee: Was geschieht, wenn bei Nacht Personen auf der Sesselbahn Riggisalp stecken bleiben? Mit diesem Ernstfall haben sich die Mitarbeiter der Kaisereggbergbahnen Schwarzsee und die Alpine Rettung Schweiz befasst.

Es ist bereits dunkel, die Uhr zeigt kurz vor sieben Uhr am Abend. Auf den Zweiersesseln der Bahn Riggisalp in Schwarzsee sitzen 16 Passagiere, die gemeinsam einen gemütlichen Fondue-Plausch im Berghaus Riggisalp verbringen wollen. Plötzlich steht die Bahn still – ein technischer Defekt. Die Verantwortlichen der Kaisereggbahnen schaffen es nicht, innerhalb einer halben Stunde das Problem zu lösen. Sie müssen das Einsatzkorps der Alpinen Rettung Schweiz auf Platz holen. Mit diesem Szenario fand die jährliche Rettungsübung in Schwarzsee statt.

Klares Rettungskonzept
Schwere Rucksäcke, professionelle Kletterausrüstung und wetterfeste Funktionsbekleidung: Mit voller Montur stehen die 17 Rettungskräfte der Alpinen Rettung in der Talstation der Sesselbahn Riggisalp bereit und hören dem Einsatzleiter Roland Riedo aufmerksam zu. Hinter ihnen an der Wand sind Informationstafeln angebracht, die den Ablauf der Rettung beschreiben. Die 14 Masten der Sesselbahn sind in Sektoren eingeteilt, die jeweils einem Rettungsteam von drei Personen zugewiesen sind.Die Anweisungen von Riedo sind klar: Per Funk müssen die Einsatzkräfte melden, wie viele Personen zu retten sind. «Ich will jederzeit wissen: Wann ist der Retter auf dem Mast, wann bei den Passagieren angelangt, wann sind sie sicher auf dem Boden angekommen?» Die Zeiten trägt er akribisch in einer Tabelle ein, um die Rettung am Schluss auszuwerten. «In maximal zwei Stunden müssen wir alle Passagiere in Sicherheit gebracht haben», erklärt der Einsatzleiter.Die Rettung wird mit den Mitarbeitern der Kaisereggbahnen koordiniert. Die Verantwortung tragen Matthias Jungo, Geschäftsführer der Bahnen. Ein Bahnmitarbeiter begleitet jeweils ein Einsatzteam, um bei Bedarf mit der Bergbahn per Funk Kontakt aufzunehmen. Zusätzlich greifen die Fahrer der Pistenmaschinen der Alpinen Rettung unter die Arme, um die Rettungskräfte an den Einsatzort zu bringen und die Passagiere an den Sammelstellen abzuholen. Die Passagiere auf der Sesselbahn sind Mitglieder des Samaritervereins Plaffeien.

Aufwendige Kletterarbeit
Team 1 ist für die Rettung von zwei besetzten Sesseln verantwortlich. Die drei Einsatzkräfte starten am Masten über dem höhergelegenen besetzten Sessel. Ein Mann klettert mit voller Klettermontur auf den Masten und gelangt über das Drahtseil zu den Passagieren – die Rettungshelfer am Boden halten ihn derweil mit einem Seil fest, damit er nicht den Draht entlang hinunterrutscht. Bis der Retter zum ersten Sessel gelangt, muss er über einen leeren Sitz klettern und sich neu sichern; für den zweiten sogar über einen Masten.Es ist laut um das Rettungsteam: Sie rufen sich jeden Schritt zu, den sie unternehmen. Bei den Passagieren angekommen, muss der Retter jeweils jeden Passagier einzeln mit einem Klettergurt um die Hüfte abseilen. Dies ist anspruchsvoll, da er sich zum einen auf die Person im Klettergerüst konzentrieren und zum anderen die noch im Sessel sitzende Person mit einer Hand sichern muss. Der Sessel schwankt hin und her, doch die Rettung ist schnell durchgeführt.Eine Samariterin ist erleichtert, wieder den Boden unter ihren Füssen zu spüren. «Es wurde dann doch ein wenig frisch», sagt sie lachend und reibt sich ihre gerötete Nase. Einsatzleiter Riedo ist zufrieden. «Pro besetzten Sessel brauchten die Rettungskräfte im Schnitt eine Viertelstunde, und der gesamte Einsatz dauerte 75 Minuten. Wir haben den Zeitrahmen eingehalten.»

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235 Stunden im Einsatz

Jungfrau Zeitung, 29. Dezember 2017

Die SAC Rettungsstation Thun der Alpinen Rettung Schweiz leistete im vergangenen Jahr sieben Einsätze von Personensuche bis zur Evakuation von vermissten, erschöpften, verunfallten oder verstorbenen Personen. Insgesamt standen dabei 43 Retter während total 235 Stunden im Einsatz.
Die SAC Rettungsstation Thun schaut auf ein ereignisreiches und unfallfreies Jahr 2017 zurück. Gesamthaft leistete sie – wie bereits im Vorjahr – sieben Einsätze in den Bereichen Suchen, Bergen und Evakuation. Dabei standen total 43 Retterinnen und Retter – im Vorjahr waren es 24 – während total 235 Stunden – gegenüber den 143 im Vorjahr – im Einsatz. Alle Einsätze verliefen auch dank der guten und intensiven Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Rettungsflugwacht Rega und der Kantonspolizei Bern reibungslos.
Um die Einsatzbereitschaft sicherzustellen, fanden über das Jahr verteilt vier Tages- und sechs Abendübungen statt. Die traditionelle Übung mit der angrenzenden Rettungsstation Interlaken wurde dieses Jahr zusätzlich mit der Rettungsstation Emmental im Raum Schallenberg durchgeführt. Diverse Fach- und Rettungsspezialisten haben an kantonalen oder gesamtschweizerischen Aus- und Weiterbildungskursen teilgenommen, um die neusten Erkenntnisse/Techniken wiederum in die Rettungsstation einzubringen.

Programm 2018 steht
Das Übungsprogramm 2018 ist erstellt, die Themen sind so gesetzt, dass die Rettungsstation auch in Zukunft jederzeit für die übertragenen Aufgaben und Einsätze im Dienste der Allgemeinheit bereit ist, wie es in einer Mitteilung heisst. Für die SAC Rettungsstation Thun engagieren sich im Milizsystem 42 Retterinnen und Retter, darunter auch Fachspezialisten in den Bereichen Canyoning, Helikopter, Hund und Medizin.
Die Rettungsstation Thun ist eine von 86 Stationen der Alpinen Rettung Schweiz, welche für die terrestrischen Einsätze für in Not geratene und hilfsbedürftige Menschen im alpinen, voralpinen und schwer zugänglichen Gebiet der Schweiz – ohne Wallis – zuständig ist. Die ARS ist eine selbstständige, gemeinnützige Stiftung, getragen durch die Schweizerische Rettungsflugwacht Rega und den Schweizer Alpen-Club SAC. Die Rettungsstation Thun – getragen durch die SAC Sektion Blümlisalp aus Thun – ist zuständig für das Einsatzgebiet in der grösseren Umgebung von Thun, begrenzt durch das Gürbetal, den Gurnigel, die Stockhornkette, das Justistal, die Sibe Hängste, das Trogehorn/Widerfeld und den Hügelzug zwischen Emmen- und Zulgtal. Die zirka 40 Kopf starke Rettungsstation leistet mit ihren sieben Einsatzleitern einen Rund-um-die-Uhr-Pikettdienst und ist über die Telefonnummer 1414 der Rega jederzeit erreichbar.

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Die Retter wurden fit gemacht

BZ Berner Oberländer, 16.12.2017 von (pd)

Bergretter aus Bern, Freiburg und Solothurn ­übten unter professioneller Anleitung den Ernstfall. Beim Winterrettungskurs der Alpinen Rettung Schweiz stand die Bergung von Lawinenopfern im Vordergrund.

In Stechelberg übten Bergretter aus den Kantonen Bern, Freiburg und Solothurn am Ausbildungskurs der Alpinen Rettung Bern den Einsatz bei einem Lawinenunfall. «Ziel war es, die Lawinenretter Anfang der Wintersaison wiederum fit für einen möglichen Einsatz zu machen», wie die Organisatoren in einer Mitteilung schreiben.
Nebst den 40 Teilnehmern aus den SAC-Rettungs­stationen nahmen auch Spezialisten der Berufsfeuerwehr Bern, der Kantonspolizei, den Luftrettungsorganisationen Rega und Air-Glaciers sowie des Luft­rettungsdienstes der Armee teil. Die Schilthornbahn stellte dem Kurs dazu ihre gesamte Bahninfrastruktur unentgeltlich zur Verfügung.

Praktisches Wissen vermittelt
Kursleiter Urs Schäfer konnte in Stechelberg 60 Teilnehmer begrüssen. Sie wurden anschliessend vom Technischen Leiter Hans Hofstetter und von seinen sieben Klassenlehrern umgehend zur praktischen Postenarbeit rund um den Allmihubel in Mürren verteilt. Bei verschiedenen Posten wurde das Suchen nach verschütteten Personen und Gegenständen mit den elektronischen Suchmitteln instruiert und geübt.
An weiteren Posten wurden die Prozesse eines Einsatzleiters Unfallplatz vorgestellt. Schwergewichtig wurden zudem die ersten notwendigen medizinischen Sofortmassnahmen bei Lawinenverschütteten in praktischer Arbeit geübt. Ferner wurde wiederum das Wissen über Seiltechnik, Sicherung und Transport von verletzten Personen aufgefrischt.
Zur gleichen Zeit wurden von einem weiteren Team unter der Leitung von Jürg Abegglen und mit der Hilfe des Pistendienstes der Schilthornbahn zwei grosse Übungslawinenfelder für die Einsatzübungen am Folgetag links und rechts des Allmihubels bereitgestellt. Wegen der grösseren Neuschneemenge war dies nicht ein einfaches Unterfangen, konnte aber dank der Unterstützung mit einer Pistenmaschine der Schilthornbahn realisiert werden.

Tags darauf wurden die Kursteilnehmer in drei Einsatzgruppen aufgeteilt. Diese begaben sich zum Teil mit der Luftseilbahn, Sesselliften und mit den Ski auf die vorbereiteten Lawinenfelder. Vor Ort setzte der vorgängig bestimmte Einsatzleiter nach einer gründ­lichen Lagebeurteilung seine Retter auf dem Lawinenfeld ein.
Mit der Hilfe von Lawinenhunden und den zur Verfügung stehenden elektronischen Suchmitteln ging es darum, verschüttete Personen und Gegenstände zu suchen, rasch zu orten und anschliessend auszugraben. Wichtig war zudem, dass die ersten medizinischen Sofortmassnahmen eingeleitet wurden, sobald der Kopf der verschütteten Person freilag.

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Air-Glaciers: Bürger sprechen eine klare Sprache

BZ Berner Oberländer, 1.11.2017 von Bruno Petroni
320 Bürger äussern in einer am Mittwoch der Einwohnergemeinde überreichten Petition ihren Unmut darüber, dass der Air-Glaciers der langjährige Nutzungsvertrag gekündigt werden soll.

«Es geht um die Zukunft unserer hervorragend organisierten Rettungsstation»: Urs Schäfer als Chef der SAC-Rettungsstation und Einwohner von Lauterbrunnen übergab gestern gemeinsam mit zwei weiteren Vertretern von 320 Unterzeichnenden eine Petition an den Gemeindepräsidenten Martin Stäger.

Diese soll bewirken, dass der Gemeinderat sein vor vier Monaten verkündetes Vorhaben, den über 40 Jahre bestehenden Nutzungsvertrag für den Heliport Lauterbrunnen mit der Air-Glaciers zu künden und einen neuen auszuhandeln, nochmals überdenkt.

Die Gemeinde möchte auch mit der ­Anfang Jahr gegründeten BEO Helikopter AG einen neuen ­Nutzungsvertrag abschliessen, ­sodass die beiden Helikopterunternehmen künftig als un­mittelbare Nachbarn operieren würden. Betreiber der BEO Helikopter AG ist der ehemalige Air-Glaciers-Basisleiter und heutige Gemeinderat Christian von Allmen, der bekanntlich vor einem Jahr von Air-Glaciers-Gründer Bruno Bagnoud fristlos entlassen worden ist.

Kein Platz für zwei Firmen?
«Ohne aktive Sammlung sind 320 Unterschriften entstanden – dies, nachdem die Leute mit der Bitte auf uns zugekommen waren, wir sollen etwas unternehmen», sagt Urs Schäfer. Der Beschluss des Gemeinderats sei von einem beträchtlichen Anteil der Bevölkerung mit Unverständnis und Kopfschütteln aufgenommen worden.

Es sei aus wirtschaftlichen Gründen kein Platz für zwei Helikopterunternehmen, und Air-Glaciers müsste bei der Stationierung eines zweiten Unternehmens die Investitionen in die geplante Erneuerung ihrer Basis und Lärmschutzmassnahmen stoppen. «Wenn die Air-Glaciers dann plötzlich aus wirtschaftlichen Gründen unser Tal verlassen würde, könnte unsere national angesehene, kompetente Bergrettung in der heutigen optimalen Struktur nicht mehr weiterbestehen», sagt Rettungschef Urs Schäfer.

Auf die Frage, wie sich die Einwohnergemeinde ein künftiges enges Nebeneinander von zwei stark konkurrierenden Unter­nehmen mit suboptimalen zwischenmenschlichen Hintergründen vorstelle, sagt Gemeindepräsident Martin Stäger: «Diese geteilte Basis würde natürlich nicht von einem Tag auf den anderen entstehen; das wäre ein mehrjähriger Aufbau mit vielen Abklärungen – und einigem ‹Gstürm›.»

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Petition gegen Änderung des Helikopterbetriebs

Jungfrau Zeitung online, 31.10.2017 von Nils Sager
Der Gemeinderat will den Nutzungsvertrag mit der Air-Glaciers SA für den Heliport in Lauterbrunnen künden, um Platz für die Beo-Helicopter AG zu schaffen. Mehrere Hundert Bürger wehren sich gegen den Entscheid.

Über 200* Bürgerinnen und Bürger aus Lauterbrunnen stemmen sich gegen die drohende Reduktion des Air-Glaciers-Betriebs im Tal. Denn Ende Juni hatte der Gemeinderat entschieden, den seit über 40 Jahren bestehenden Nutzungsvertrag für den Heliport Lauterbrunnen mit der Air-Glaciers SA zu künden. Grund ist die Anfrage des ehemaligen Basisleiters und aktuellen Gemeinderates Christian von Allmen und dessen neuem Unternehmen Beo-Helikopter AG. Die soll nach den Vorstellungen des Gemeinderates einen Auftrag im Tal bekommen.

Kehrtwende des Gemeinderates
In einer Petition drücken nun mehrere Hundert Bürger ihr Befremden über das Vorgehen des Gemeinderates aus. Denn der Bundesrat hat erst am 28. Juni dieses Jahres das neue Objektblatt für den Heliport Lauterbrunnen verabschiedet. Die Rahmenbedingungen für dessen Betrieb hatten das Bundesamt für Zivilluftfahrt, die Gemeinde Lauterbrunnen und die Air-Glaciers SA zuvor gemeinsamt festgelegt. Der nun gefällte Beschluss des Gemeinderates widerspreche in allen Teilen dem bisherigen Vorgehen, schreiben die Verfasser der Petition in einer Mitteilung.

Betrieb in Gefahr
Urs Schäfer, Chef der Alpinen Rettung in Lauterbrunnen, ist Sprecher der Gruppe, die sich über das Vorgehen des Gemeinderates wundert. «Im Tal hat es Arbeit für eine Helikopterfirma», sagt er. Mehr als die vom Bundesrat bewilligten 7700 Flugbewegungen gebe es nicht. Sollten diese nun zwischen zwei Helikopterunternehmen aufgeteilt werden müssen, könnte der wirtschaftliche Betrieb der Air-Glaciers SA in Lauterbrunnen gefährdet sein. «Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Air-Glaciers den Betrieb dann einstellt», sagt Schäfer.
Er sieht auch das Rettungswesen im Tal durch den Entscheid bedroht. Die Alpine Rettung hat in der Vergangenheit vorbildlich mit der Air-Glaciers SA in Lauterbrunnen zusammen gearbeitet, so Schäfer. Diese Zusammenarbeit sei auch für die Ausbildung bei der Alpinen Rettung Schweiz sehr wichtig. Mit dem Entscheid des Gemeinderates würden diese guten Strukturen infrage gestellt.

Verlust von Millionen-Investition
Die Verfasser der Petition sind nicht grundsätzlich gegen die vom Gemeinderat postulierte Gewerbefreiheit, schreiben sie in ihrer Mitteilung. Doch vorliegend sei aus wirtschaftlichen Gründen kein Platz für zwei Helikopterunternehmen. Sie befürchten auch, dass die Air-Glaciers bei einer Teilung der Flugbewegungen ihre geplanten Investitionen in die Erneuerung der Flugplatzinfrastruktur und Lärmschutzmassnahmen stoppen könnten. Konkret geht es um eine Lärmschutzwand sowie neue Räume für die Alpine Rettung und den Helikopterbetrieb. «Investitionen im Umfang von einer Million Franken würden somit vor allem dem ansässigen Gewerbe entgehen», befürchten die Petitions-Verfasser.
Sie fordern darum den Gemeinderat von Lauterbrunnen auf, den Beschluss vom 26. Juni 2017 aufzuheben, den Nutzungsvertrag mit der Air-Glaciers SA für den Heliport Lauterbrunnen nicht zu kündigen und weiterhin nur die Air-Glaciers SA zu Nutzung des Heliports zuzulassen. Die Petition wird dem Gemeinderat am Mittwoch übergeben. Allerdings handelt es sich lediglich um eine Bittschrift. Eine rechtliche Handhabe gäbe es erst, wenn der Vertrag mit der Air-Glaciers SA tatsächlich gekündigt ist. Urs Schäfer sagt: «Die Petition soll zeigen, dass ein grosser Teil der Bevölkerung nicht zufrieden ist mit der Entscheidung des Gemeinderates».

*Die ursprünglich von den Petitionären genannte Zahl von 300 Unterschriften basiert auf einem Fehler. Die Petitionäre mussten die Zahl korrigieren und entschuldigten sich dafür.

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Wenn es auf jede Minute ankommt

Berner Zeitung BZ, 23.10.2017 von Jacqueline Graber
Auf dem Schallenberg ist eine Gruppe Pfadfinder verschollen. Nach den Jugendlichen suchen Mitglieder von drei verschiedenen Rettungsstationen der Alpinen Rettung. Zum Glück war es nur eine Übung.

Ängstlich kauern die zwei Frauen auf dem Waldboden. Eine ungemütliche und kalte Nacht liegt hinter ihnen. Eine der beiden ist am Arm verletzt. Ursprünglich waren sie zu dritt unterwegs, jedoch war ihre Freundin nach einem Sturz nicht mehr in der Lage, weiterzulaufen. Sie liegt nun irgendwo weiter unten im Gelände. Auch berichten die jungen Frauen, dass sie Hilferufe gehört hätten, und zeigen mit dem Finger in Richtung eines rund 80 Meter tiefen Tobels.

Vorsicht ist geboten
Trotz der angespannten Lage bleibt Retter Jonas Walther ruhig. Er lässt die Frauen erzählen, stellt Fragen. Aus dem Rucksack holt er eine Getränkeflasche und gibt ihnen zu trinken. Danach bespricht er sich mit seinen Kollegen Katrin Hänni und Christof Willi. Denn sie befinden sich in sehr steilem Gelände, der Boden ist trocken, die Rutschgefahr gross. Sie einigen sich darauf, erneut Geländesuchhund Che loszuschicken. Er war es auch, der die beiden jungen Frauen gefunden hat. Es dauert nicht lange, und der Hund kehrt zurück. Im Maul hat er einen dicken Riemen. «Das ist ein sogenanntes Bringsel und hängt an seinem Halsband.» Habe er eine Person gefunden, nehme er das Bringsel zwischen die Zähne, erklärt Hundeführerin Katrin Hänni, die aus dem Rucksack eine Tube Le Parfait kramt und ein bisschen herausdrückt. Schwanzwedelnd leckt der Vierbeiner daran.
Während Jonas Walther bei den beiden Frauen bleibt, läuft Christof Willi in Richtung der Hilfeschreie. Und Katrin Hänni wagt sich in dem unwegsamen Gelände weiter nach unten. Es dauert nicht lange, und sie findet die vermisste Freundin. «Wie geht es dir?», lautet die erste Frage. Sie habe sichvom Sturz erholt, habe aber kalt, so die Antwort. Katrin Hänni nimmt eine Jacke aus ihrem Rucksack und gibt sie der Frau. Es zeigt sich, dass die Vermisste trotz Sturz laufen kann.

Erstmaliger Einsatz
Das Rettungstrio Hänni, Walther und Willi hat sich nicht zufällig in dem steilen Waldstück auf dem Schallenberg oberhalb von Eggiwil aufgehalten. Sie sind Mitglieder der Alpinen Rettungsstationen (ARS) Emmental und Thun. Die Organisationen haben sich am Samstagmorgen gemeinsam mit Interlaken zu einer gross angelegten Übung getroffen. Dabei liege der Fokus auf den bodengebundenen Einsatzkräften, erklärt Felix Maurhofer, Medienverantwortlicher und Mitglied der ARS Thun. Normalerweise werde die jährliche Übung mit zwei Sektionen durchgeführt, heuer seien es erstmals drei.
Das Szenario des Einsatzes ist: 18 Pfadfinder sind am Freitagabend nach einer Wanderung nicht zurückgekehrt. «Für die Übung mit 57 Beteiligten und 18 Figuranten waren die folgenden Punkte zentral», sagt Maurhofer: einerseits das Alarmaufgebot und das koordinierte Vorgehen, andererseits die Zusammenarbeit zwischen den Rettungsstationen und den -spezialisten. Da es nur vage Zeugenaussagen gibt, werden in einem ersten Schritt drei Gruppen mit je zwei Rettern und einem Hundeführer losgeschickt. «Es macht keinen Sinn, dass zu Beginn möglichst viele Retter mit möglichst viel Material loslaufen», so Maurhofer. Wichtig sei, dass die Kollegen beim Besammlungsplatz parat stünden, wenn sie über Funk geordert würden. Und das war auch am Samstag der Fall: Einige Retter mussten ausrücken, um die Opfer aufwendig mit Flaschenzügen zu bergen und mit der Bahre aus dem Gelände zu tragen.

Keine Hektik
Ungeachtet dessen, dass es sich nur um eine Übung handelt, arbeiten die Retter sehr seriös. Wie im Ernstfall wird immer wieder die Lage besprochen und Ruhe bewahrt. Denn trotz des Wettlaufs mit der Zeit darf keine Hektik aufkommen. Das weiss auch Hundeführerin Katrin Hänni, die heuer bereits fünf Ernstfalleinsätze mit ihrem Hund Che hatte: «Das oberste Gebot ist die Sicherheit der Retter.» Diese Aussage bestätigt Felix Maurhofer. «Ein falscher Schritt in steilem Gelände kann fatale Folgen haben.» Der Mediensprecher zeigt sich nach der Übung sehr zufrieden: «Die Zusammenarbeit hat bestens funktioniert, und es hat sich gezeigt, dass alle beteiligten Bergretter sich auf einem guten Ausbildungsstand befinden.» Die 18 Pfadfinder seien innert sechs Stunden alle gefunden worden.

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Artikel in der Jungfrau Zeitung - Link
Wochenzeitung für das Emmental und Entlebuch - Link
Radiobericht neo1

Beide Helikopterfirmen am selben Standort?

BZ/Berner Oberländer, 29.6.2017 von Bruno Petroni

Der Lauterbrunner Gemeinderat will die neu gegründete BEO Helicopter ab dem selben Flugfeld operieren lassen wie die Air-Glaciers.

«Wir sind der Ansicht, dass künftig neben der Air-Glaciers auch die BEO Helicopter AG ab der ­selben Basis operieren kann»: Der Gemeinderat von Lauterbrunnen teilt mit, dass sich die beiden Flugunternehmen künftig die vorgegebenen Flugkontingente aufteilen werden, und will die Zuteilung dieser Kontingente zu einem späteren Zeitpunkt vornehmen.
«Damit die BEO Helicopter AG als neue Gesellschaft die nötige Infrastruktur wie beispielsweise einen Hangar erstellen kann, muss der Flugplatz­perimeter geringfügig erweitert werden», teilt der Gemeinderat in seiner Medienmitteilung mit. Solche Anpassungen seien erfahrungsgemäss zeitaufwendig und dürften sich über mehrere Jahre hinwegziehen.
Damit die nötigen Rahmenbedingungen für zwei Betriebsgesellschaften geschaffen werden könnten, müsse der Gemeinderat in einer ersten ­Phase die bestehenden Verträge mit der Air-Glaciers AG kündigen und anschliessend neu verhandeln. «Unser Ziel ist es, dass beide Flugunternehmen erfolgreich auf dem bestehenden Flugfeld operieren können», so der Gemeinderat.
Die Gemeinde Lauterbrunnen ist Flugfeldhalterin, und seit über 45 Jahren betreibt die Air-Glaciers die Basis in Lauterbrunnen. Acht Jahre lang war Christian von Allmen als Nachfolger von Standortgründer Adolf Litzler als Basisleiter tätig. Vor acht Monaten kam es zur Trennung, Air-Glaciers-Besitzer Bruno Bagnoud kündigte von Allmen fristlos. Wenige Wochen später gründete der ­48-Jährige mit Unterstützung der Lions Air ein eigenes Helikopterunternehmen, die BEO Helicopter AG.

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Knatsch um den Heliport

Jungfrau Zeitung, 29.6.2017 von Rabea Grand

Die Air-Glaciers SA und die Beo-Helicopter AG müssen sich die Flugkontingente zukünftig teilen. Dies, da sich die Gemeinde für die Unterstützung des neuen Helikopterunternehmens entschieden hat. Wie die beiden Firmen nebeneinander fliegen wollen, ist jedoch noch unklar.

Seit mehr als 40 Jahren ist das Flugfeld in Lauterbrunnen ganz in den Händen der Air-Glaciers. Dies soll sich nun aber aufgrund eines Gemeinderatsentschlusses ändern. Die Flugfeldhalterin beschloss nämlich, künftig auch der anfangs Jahr gegründeten Beo-Helicopter AG Platz zum Operieren zu gewähren. Dafür ist auch eine Erweiterung des Flugfeldperimeters geplant. Während die Gemeinde und das junge Unternehmen der Änderung positiv entgegenblicken, ist der Entscheid für die Air-Glaciers SA überraschend und nicht verständlich.

Bisher kein Austausch

Ein Heliport, zwei Flugunternehmen. Das soll in Lauterbrunnen in Zukunft der Fall sein. «Wir haben von der Beo Helicopter AG eine Anfrage erhalten, ob sie die Flugfelder auch nutzen könnten. Das haben wir in mehreren Gesprächen und Sitzungen diskutiert und sind zum Schluss gekommen, dass es Platz für zwei Firmen gibt», erklärt Martin Stäger, Gemeindepräsident in Lauterbrunnen, gegenüber dieser Zeitung.
Ausschlaggebend für einen positiven Entscheid sei schliesslich gewesen, dass die Beo Helicopter AG auch Organtransporte durchführen will und damit mehr Rettungssanitäter und Ärzte vor Ort seien. «Wir haben in Lauterbrunnen momentan ein Problem in Sachen Ärzte. Denn nach dem Tod von Bruno Durrer wurde auch der Ambulanzdienst aufgegeben. Wir hoffen nun, dass die Zusammenarbeit der Flugunternehmen klappt», so Stäger. Bis anhin haben sich die beiden Unternehmen jedoch noch nicht untereinander ausgetauscht. «Von unserer Seite sind die Türen offen, und wir haben keine Probleme damit. Gesprochen haben wir noch nicht mit den Verantwortlichen der Air-Glaciers SA, wir werden erst einmal abwarten», begründet Christian von Allmen, Basisleiter Beo Helicopter AG.
Die Air-Glaciers SA ihrerseits wurde vom Entscheid des Gemeinderats überrumpelt. «Wir wurden vom Gemeindepräsidenten telefonisch über den Entscheid informiert. Genauere Informationen haben wir jedoch nicht erhalten», erklärt Michael Jaun, Basisleiter in Lauterbrunnen. Von Seiten des Helikopterunternehmens, das die Nachfrage an Fliegerei in den letzten knapp 50 Jahren abgedeckt hat, besteht kein Bedürfnis, die aktuelle Situation zu ändern. «Wir sehen eigentlich keinen Grund für eine Zusammenarbeit. Denn der Bundesrat hat mit der Verabschiedung des Sachplans Infrastruktur der Luftfahrt, SIL, Objektblatts den genauen SIL-Perimeter und dessen Nutzung klargestellt. Kommt jemand anderer dazu, müsste dies wieder überarbeitet werden», so Jaun weiter.

Interesse an Zusammenarbeit
Bevor aber überhaupt beide Unternehmen auf dem Flugfeld tätig sein können, muss die Gemeinde Lauterbrunnen die aktuellen Verträge mit der Air-Glaciers SA kündigen. «Diese sind zum Teil noch aus dem Jahr 1983. Es ist aber auf jeden Fall ein neues Betriebsreglement notwendig. Das genaue Vorgehen müssen wir aber noch besprechen», erklärt der Lauterbrunner Gemeindepräsident. Dass die Kündigung des Vertrags Probleme macht, befürchtet Stäger nicht, da eine entsprechende Klausel in der Vereinbarung vorhanden sei.
Die Air-Glaciers SA hat momentan aber noch kein Kündigungsschreiben erhalten und wird in naher Zukunft auch nichts am laufenden Betrieb ändern. «Wir werden vorerst nichts unternehmen, da das Ganze von der Gemeinde ausgegangen ist. Die Air-Glaciers selbst will den Vertrag nicht kündigen», betont Jaun. Der Betrieb werde wie gehabt weitergeführt, denn die Air-Glaciers seien nach wie vor an einer Zusammenarbeit mit der Gemeinde interessiert. «Die Gemeinde und das Bundesamt für Zivilluftfahrt sind unsere Partner. Da der SIL nun abgeschlossen ist, werden wir mit den beiden Partnern das weitere Vorgehen besprechen», sagt Jaun.
Nebst der Auflösung des Vertrags ist jedoch auch die Aufteilung der Flugkontingente noch nicht geklärt. Denn mehr Flüge sind einerseits nicht möglich, andererseits aber auch nicht gewünscht. «Wir haben im Sachplan Infrastruktur der Luftfahrt wegen des Lärmschutzes ein Maximum von 7000 Flügen registriert. Nun müssen wir uns überlegen, wie wir das zwischen den beiden Flügen aufteilen können, damit beide Unternehmen überleben können», berichtet Martin Stäger weiter. Das Perimeter zu erweitern und für die beiden Helikopterfirmen zugänglich zu machen, brauche aber seine Zeit. Einen konkreten Zeitpunkt, ab wann auch die Beo Helicopter AG ab dem Lauterbrunner Flugfeld startet, können die Verantwortlichen momentan noch nicht nennen. Bis es soweit ist, müssen aber auf jeden Fall noch diverse Gespräche geführt werden.

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Jahresbericht 2017

VORWORT DES PRÄSIDENTEN

Nach und nach «wachsen» die kantonalen Leistungsvereinbarungen gegen Westen: eine solche konnte im Kanton Freiburg neu abgeschlossen werden – in der Waadt laufen die Vorverhandlungen, die Vorzeichen sehen hier aber auch positiv aus. Dies betrifft am Rande auch die ARBE, da wir engen Austausch mit der Secours Alpin Romand (SARO) betreiben. Die Westschweizer Rettungsstationen schliessen damit finanziell auf Augenhöhe zu den Bernern auf.

Mit Interesse beobachtet die ARBE die Entwicklung im Lauterbrunnental, wo die Gemeinde Lauterbrunnen über ein neues Betriebsreglement für den Helikopterflug befinden wird. Eine weiterhin gutes, ganzjähriges Zusammenarbeiten zwischen AIR GLACIERS, der lokalen SAC Rettungsstation Lauterbrunnen sowie auch der Rega steht ganz klar im Interesse der ARBE. Die SAC Rettungsstation Lauterbrunnen ist ein Eckpfeiler der Bergrettung im Kanton Bern und fester Bestandteil des Einsatzdispositivs der ARBE. Eine gezielte „Rosinenpickerei“ einzelner weiterer Organisationen ist nicht im Sinne der Pioniere unserer Rettungsorganisationen und der aktiven Bergretter.
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