ARO Aktuell

«Auf den Hund gekommen»

Die Alpine Rettung Ostschweiz lädt Sie anlässlich des nationalen Jubiläumsjahres herzlich zu einem erlebnisreichen Tag mit den Lawinenhunden ein.

Sie finden uns am Sonntag, 25. Februar 2018 in Alt St.Johann auf der Alp Sellamatt im Raum Zinggen, gut zugänglich zu Fuss und für Schneesportler.

Programm:

  • ab 09.30 Uhr Aktiv und Informationsposten für jedermann
  • 11.30 Uhr  Lawinenrettung Demonstration
  • 15.00 Uhr Schluss

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Sekunden entscheiden

Toggenburger Zeitung, 24.1.2018 von Stefanie Rohner

Die Alpine Rettung Schweiz kommt dann zum Einsatz, wenn das Gebiet für andere Rettungskräfte nicht zu erreichen ist. Peter Diener war 19 Jahre lang der Rettungschef der SAC Rettungsstation Wildhaus-Amden. Nun hat er an Beat Oehler übergeben. Retter der Alpinen Rettung Schweiz rücken aus, wenn Menschen in alpinen, voralpinen oder schwer zugänglichen Gebieten in Not geraten sind. Das Gebiet des Regionalvereins Alpine Rettung Ostschweiz (ARO) ist gross. Es umfasst die Kantone Appenzell Innerrhoden und Ausserrhoden, St.Gallen, Thurgau, Schaffhausen, Zürich und den östlichen Teil des Aargau. Das Fürstentum Lichtenstein wird auch über die ARO alarmiert.

Überdurchschnittliches Jahr
Peter Diener und Beat Oehler sind beide schon lange bei der SAC Rettungsstation Wildhaus-Amden. Sie sind zwei von 32 alpinen Rettern. "Sieben wohnen in Amden, Weesen und Schänis und werden zu den Einsätzen im Speergebiet und bis ins Züri Oberland gerufen. 25 Retter wohnen von Nesslau bis Wildhaus und kommen im Toggenburg und Neckertal in den Einsatz“ sagt Diener. Bei einem Viertel aller Einsätze handelt es sich um Personensuchen, zum Beispiel vermisste Wanderer  oder nach einem Lawinenunfall. Ansonsten rücken die Retter aus, wenn Wanderer feststecken oder wenn eine Person abgestürzt ist. „Unter der Woche stösst man personell an die Grenzen, da die alpine Rettung für keinen der Hauptberuf ist", sagt Diener. Im vergangenen Jahr wurde die SAC Rettungsstation Wildhaus-Amden 20 Mal zum Einsatz gerufen. "Das ist eher viel. 2017 war ein überdurchschnittliches Jahr", sagt Diener.

Die Freude an den Bergen
Oehler und Diener sind aus ähnlichen Gründen bei der Alpinen Rettung gelandet. Beide sind passionierte Berggänger. "Die Freude an den Bergen hat mich dazu gebracht. Als ich dann bei der alpinen Rettung reingeschaut habe, war klar, dass ich dabei bleibe", sagt Oehler. Auch Diener kam durch den Bergsport zur Alpinen Rettung. "Wenn ich klettern gehe, kann es passieren, dass ich Hilfe brauche. Also wollte ich auch selbst zur alpinen Rettung. Mein Vater war schon Rettungschef", sagt Diener. Über die Unfälle sagen die beiden, manchmal sei man einfach zur falschen Zeit am falschen Ort, manchmal aber sei es auch mangelnde Vorbereitung, die einen in eine prekäre Situation in den Bergen bringe. "Oft entscheiden nur Sekundenbruchteile darüber, ob es gut ausgeht oder nicht", sagt Diener.

Grenzen kennen
Die mangelnde Vorbereitung von Wanderern oder Berggängern sei ein Grund. "Die Ausrüstung muss stimmen und man muss sich genau über das Wetter informieren. Bei der Routenwahl darf man sich nicht überschätzen. Die eigene Fitness bestimmt die Route", sagt Oehler. Er sagt, lieber kehre man um, wenn man unsicher sei. "Wer noch nicht so viel Erfahrung in den Bergen hat, nimmt am besten einen Bergführer", sagt Oehler. Nicht nur die in Not geratenen Personen befinden sich bei einem Einsatz in Gefahr. Auch für das Rettungsteam sind die schwierigen Umstände heikel. "Bei Sturm, Nebel und Gewitter ist es oft schwer. Man muss die eigenen Grenzen gut kennen und auf das Team vertrauen. Ein Retter sollte psychisch und physisch robust und wetterfest sein. Wenn wir an unsere Grenzen kommen, brechen wir ab. Wir riskieren nicht das eigene Leben", sagt Diener.
 
Dankesbriefe an die Retter
Ein Bergunfall geht nicht immer gut aus und das geht den Rettern oft nahe. "Das Schwierigste ist, wenn man gar nicht erst gehen kann, weil das Wetter es nicht erlaubt. Man wolle helfen, könne aber nicht. Gerade bei Vermissten ist es mitunter das Schwerste, abzubrechen, da man weiss, die Chancen auf das Überleben sinken mit jeder Stunde", sagt Diener. Die Einsätze, die gut ausgegangen sind, helfen über die tragischen hinweg. "Wir erhalten von den Geretteten manchmal Mails, Anrufe oder Briefe nach einem erfolgreichen Einsatz. Das ist schön", sagt Oehler. Einmal sei ein erfahrener Delta-Pilot aus 10 Metern Höhe abgestürzt und dann 200 m den steilen Abhang hinunter gerutscht. "Wir haben ihn unter einem Baum eingeklemmt gefunden und die Zeit war aufgrund seiner Verletzungen knapp. Doch er hat es geschafft", sagt Diener. Er sei ein Jahr nach dem Unfall mit seiner Frau auf die Rettungsstation gekommen und habe sich bedankt. Das seien die Momente, in denen man wisse, am richtigen Ort zu sein.

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Bergrettung unter neuer Verantwortung

Südostschweiz, 29.12.2017 (sas)

Ab Anfang 2018 hat die Rettungsstation Wildhaus-Amden der Alpinen Rettung Schweiz einen neuen Chef: Beat Oehler übernimmt das Amt von Peter Diener, der während 19 Jahren viel Freiwilligenarbeit in der Bergrettung geleistet hat.

Jeder ist froh, dass es sie gibt. Auch, wenn er sie nicht braucht: die Alpine Rettung Schweiz. Zwischen 15 und 20 Einsätze leisten die Mitglieder der Rettungskolonne Wildhaus-Amden pro Jahr. Rund zwei Drittel davon werden von den beiden «Rettungs-Spezialisten Helikopter» bewältigt. «Letzten Sommer wurden wir zu drei Suchaktionen aufgeboten», zieht Peter Diener Bilanz. Der Wildhauser stand während 19 Jahren als Chef der Rettungsstation Wildhaus-Amden vor. Ende Jahr ist Schluss, er übergibt das Amt an Beat Oehler. Er habe bereits dieses Jahr seinen Aufwand reduziert, sagt Peter Diener. Beat Oehler, der die Ausbildung zum Rettungs-Spezialist Helikopter (RSH) absolviert hat, leistete bereits 2017 diese Einsätze.
«In jeder Rettungsstation braucht es RSH. Bei uns ist es so, dass diese gleichzeitig der Chef und sein Stellvertreter sind», erklärt Peter Diener. Auch wenn er nun kürzertritt, ist das Thema Alpine Rettung für ihn nicht erledigt. «Ich werde als Mitglied der Rettungskolonne weitermachen und Beat Oehler wenn nötig unterstützen», sagt Peter Diener. Seinen Nachfolger freut das: «Es ist gut, wenn ich noch von den Erfahrungen profitieren kann, die Peter in seinen 19 Jahren als Rettungschef gemacht hat.»

Innerhalb von Minuten im Einsatz
Er habe nicht um das Amt gekämpft, beschreibt Beat Oehler seine Motivation. Aber nach rund 15 Jahren Mitgliedschaft in der Rettungskolonne habe ihn die Arbeit der RSH interessiert. Mit seinem Entscheid, diese Ausbildung zu machen, sei auch der Entscheid gefallen, der Rettungsstation Wildhaus-Amden vorzustehen.
«Bei dieser Mehrarbeit werde ich von meiner Familie und vom Arbeitgeber unterstützt», sagt Beat Oehler. Gerade Letzteres sei Voraussetzung, um RSH zu sein, pflichtet ihm Peter Diener bei. «Wenn er zum Einsatz gerufen wird, muss es schnell gehen.» Das heisst, nur wenige – sprich vier bis zehn – Minuten später wird der RSH von einem Heli-kopter der Rega abgeholt, wo immer er auch ist. «Viel Zeit für Vorbereitung bleibt da nicht. Ich war froh, dass meine Frau Regi mir jeweils mein Material und etwas Proviant gerichtet hat», erzählt Peter Diener. Oftmals wusste er weder, was ihn genau erwartet, noch wie lange der Einsatz dauert.

«Die Aufgabe der RSH ist in erster Linie, für die Sicherheit bei der Rettung in den Bergen zu sorgen», erklärt Peter Diener. Daher sei es unabdingbar, die Gegend bestens zu kennen. Aber: Ein RSH kommt nur dann zum Einsatz, wenn das Wetter gut ist. Kann der Helikopter nicht abheben, ist die Rettungskolonne gefragt. «Wir bieten dann die erforderliche Anzahl Mitglieder auf und machen uns zu Fuss an die Arbeit, sei es an eine Rettung oder an eine Personensuche», sagt Beat Oehler. Diese sind aufwendiger, brauchen mehr Zeit und müssen meist unverzüglich eingeleitet werden. Daher müssen Mitglieder der Rettungskolonne nicht nur erfahrene Berggänger und schnell verfügbar sein, sondern auch wetterfest und robust. Dazu kennen sie sich in Erster Hilfe aus, in Seiltechnik und in ihrem Einsatzgebiet.
Um für die Einsätze gerüstet zu sein, üben die Mitglieder der Rettungskolonne regelmässig. «Gerade für uns Wildhauser, die den Bergen nah sind, ist das Gelände in den unteren Regionen unseres Einsatzgebietes mit den bewaldeten Hügeln weniger bekannt», sagt Beat Oehler. Da Personensuchen oft lange dauern und daran Bergretter unterschiedlicher Rettungskolonnen beteiligt sind, wird auch grosser Wert auf die Kameradschaft gelegt. Bei gemeinsamen regionalen Übungen wird der Austausch gepflegt. «Es liegt am Rettungschef, das Übungsprogramm festzulegen», erklärt Peter Diener. Dabei kommen einige Arbeitsstunden zusammen. Er hat für sich einen Aufwand von gegen 250 Stunden im Jahr gerechnet. Das meiste davon freiwillig und ohne Entschädigung.

Niemanden verurteilen
Bekommt er wenigstens einen Dank von den Personen, die er gerettet hat? «Das ist unterschiedlich», sagt Peter Diener. Im Moment der Rettung falle von vielen eine grosse Angst ab. Oftmals würden sie sich auch schämen, dass sie überhaupt die Hilfe der Bergrettung in Anspruch genommen haben. Aber: «Gerade bei einer Rettung darf man niemanden verurteilen. Dazu hat man auch gar nicht die Zeit», sagt Peter Diener. Beat Oehler nickt. Auch er hat bereits schwierige Einsätze miterlebt. «Die schönen Erlebnisse helfen, diese zu verarbeiten», sagt Peter Diener.

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