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«Du weisst nie, was auf dich wartet»

Serie «Freiwillige» | Fritz Schneider ist einer von drei Suchhundeführern im Oberland, welche über die Weihnachtstage Pikettdienst schieben.

Berner Oberländer / Thuner Tagblatt, 28. Dezember 2020 von bpm

«Doch, die Leute haben in der Vergangenheit schon ab und zu gestaunt über die Fähigkeiten einer Hundeschnauze». Fritz Schneider ist seit acht Jahren Hundeführer der Alpinen Rettung Schweiz (ARS). Zusammen mit seinem vierbeinigen Partner, dem zwölfjährigen Flatcoat-Retriever Pit, ist er über die Weihnachtstage rund um die Uhr sprungbereit. «Meine Ehefrau Katrin hat frei, die Kinder auch, und so geht doch nichts über paar schöne Tage im Kreise der Familie – wenn denn der Pager ruhig bleibt», sagt der 41-jährige Bundesangestellte, der auf dem Stützpunkt Brienzwiler als Logistiker arbeitet.
Der Pager, dieses kleine elektronische Gerät, ist es also, das einen gemütlichen Weihnachtstag schnell mal in einen hektischen Lawineneinsatz verwandeln kann. Denn während der Weihnachtswoche hat Fritz Schneider seine 15 Kilo schwere Rettungsausrüstung, die Ski und die Lawinenausrüstung stets griffbereit – wo immer er sich gerade aufhält. «Ich darf natürlich auch mit der Familie Ski fahren gehen. Aber auch da muss das Material mit – und auch Pit.»

Stets alles griffbereit
Mit seinen zwölf Lebensjahren steht Pit vor dem Ende seiner Suchhundekarriere. Entsprechend häufen sich die Anlaufschwierigkeiten. «Ende März ist vorläufig Schluss mit der aktiven Hundeführerei», sagt Schneider. Er will sich künftig etwas mehr Zeit nehmen für seine Familie. Für seine Frau, den 12-jährigen Sohn und die zwei Jahre jüngere Tochter. «Gut möglich, dass ich später mit einem jungen Hund nochmals anfange – die Erfahrung hätte ich ja jetzt. Und eine so enge Zusammenarbeit mit einem Tier ist halt schon sehr befriedigend und schön.»
In seinen acht Jahren als Hundeführer hatte Fritz Schneider je zwei Sommereinsätze in der Geländesuche und zwei solche im Winter, nach Lawinenniedergängen. «Bei keinem dieser Sucheinsätze hatten wir eine Opferbergung. Und trotzdem weisst du nie, was auf dich wartet, wenn derAlarm reinkommt und dich der Helikopter abholen kommt. Da machst du dich auf das Schlimmste gefasst. Und bist dann erleichtert, wenn es letzten Endes nicht so dramatisch wird.» Auch ohne Hund war Schneider in der Vergangenheit mehrmals im Bergrettungseinsatz. Am besten in Erinnerung hat er eine mehrstündige terrestrische Verletztenbergung am Diamantstock, welche der misslichen Wetterbedingungen wegen bis drei Uhr morgens dauerte.
Auch wenn Pit im kommenden Frühjahr Dienstschluss hat, bleibt Herrchen Fritz Schneider weiterhin als Materialwart und Bergretter in Diensten des SAC Oberhasli. Und wer weiss – vielleicht schult er ja eines Tages einen jungen Nachwuchssuchhund ein.

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